Prozess

Wie gehe ich mit meinen Inhalten um?

Fotos, Botschaften, Texte – Inhalte haben kein Verfallsdatum im Netz und können zeitlich unbeschränkt für einen Hate-Storm herhalten. Diese Erfahrung musste die Reisebloggerin Anne machen. Sie schrieb am 1. Oktober 2016 einen Blogartikel über sexuelle Belästigungen in der Mongolei, die sie selbst erleben musste. Ihr Beitrag The Dark Side of Mongolia ist ein ausgewogener und ergreifender Bericht, wie sie wiederholt sexuellen Übergriffen ausgesetzt war.

Erst im Zuge der #metoo-Debatte 2018 haben Menschen in der Mongolei den Artikel entdeckt und weiterverbreitet. Viele Frauen zeigten sich dankbar, dass ein Licht auf diese Problematik geworfen wurde. Anne hat mit ihren Beschreibungen eine Debatte über Sexismus in der Mongolei ausgelöst.

Doch gleichzeitig traf sie auch die Auswirkung eines Hate-Storms: Hass, Lügen und Drohungen. In dem mongolischen Ableger von Foxnews wurde plötzlich behauptet, dass Anne in der Mongolei Kinder vergewaltigt hätte. Dafür wurden „echte” Zeugen vorgeführt und Fotos von „der perversen” Anne gezeigt. Ihren Namen hat ein Unbekannter laut Krautreporter auf einer mongolischen Sex-Webseite eingestellt – zusammen mit dem Link zu ihrem Blog. Angestachelt von diesen Angriffen schwappte der Hass in die sozialen Medien des Landes über.  

Die Mongolei ist räumlich entfernt von Deutschland, aber für eine betroffene Person bleibt ein digitaler Angriff nicht abstrakt. Er geht ihr nah, egal wie weit weg der Hass sich entlädt. Foxnews sah sich bis heute nicht zu einer Stellungnahme oder Korrektur veranlasst. Behörden griffen bisher nicht ein. Unter dem Hashtag #westwards reagierten Menschen solidarisch in sozialen Medien. Was bis heute bleibt, ist Annes Mut, der unter anderem Frauen in der Mongolei geholfen hat, eine Stimme für erlittenes Unrecht zu finden.

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