Pranger

Hass muss nicht genau sein

„Hass ist nie genau. Präzise lässt sich nicht gut hassen.“ Dieser Satz stammt von der deutschen Publizistin und Autorin Carolin Emcke.

 

Mit der Genauigkeit, so die Autorin, käme die Differenzierung, das Hinsehen, das Hinhören. Bei einem Hate-Storm geht es nicht mehr um Differenzierung. Es ist ein Angriff über das Internet, der zielgerichtet eine Person oder Institution beleidigt, nötigt oder diskreditiert, um ein Anschauung oder ein politisches Narrativ zu verbreiten.

 

Es ist eine in Echtzeit erzählte Geschichte, die sich meist mit Hilfe vieler Social-Media-Accounts entwickelt, mit dem Ziel, Mensch oder Institution öffentlich an den Pranger zu stellen. Ein Hate-Storm ist eben auch ein Zeichen unserer Zeit. Hass gab es schon immer. Hate-Storms sind Produkte der Social Media Ära.

Ziele

Das Ziel heißt platt machen

Ein Angriff gegen dich als Individuum erfolgt in mehreren Formen. Entweder in einzelnen, kleinen Kommentaren oder – und das ist bedeutend gefährlicher – als Kampagne. Kampagnen laufen nach dem Prinzip „Alle gegen Einen“ ab. Oft startet eine Kampagne durch eine gefühlte Grenzübertretung, die dann zum Anlass für eine konzertierte Aktion gegen die Person genommen wird.

 

Praktisch jede Kampagne gegen Einzelne verläuft entsprechend einer gewissen Dramaturgie. „Größere“ Netz-Influencer (im Sinne von Followern und Reichweite) framen dabei die Person – geben ihr also eine Geschichte. Oft geschieht das schon über die Zuhilfenahme von Hashtags und dem Vorschreiben eines Narrativs. Dies können Menschen sein, durchaus aber auch Facebook Pages, Alternativ-Wikis oder Blogs.

Ist es meine Schuld?

Theaterstück

Vorgeführt werden vor Publikum

Bei systematischem Hass im Netz prasselt nicht nur negative (und vielleicht berechtigte) Kritik auf dich ein. Die Attacke dient allein dazu, dich herabzusetzen, zu entmenschlichen, zu überlasten oder persönlich mundtot zu machen. Diese perfide Form von Hass erfolgt systematisch, meist konzertiert und mit überwältigender Schnelligkeit.

 

Du wirst als Hauptdarsteller eines Theaterstücks auf die Bühne gezerrt, das du dir nicht ausgesucht hast. Du wirst aufgrund deiner Herkunft, deiner Meinung, deines Geschlechts oder deiner exponierten öffentlichen Stellung identifiziert und als Objekt hergerichtet: Der Hass wird an dir passgenau gemacht und spinnt sich immer weiter fort.

 

Deine Herabsetzung wird nicht nur als entschuldbare, sondern zu einer notwendigen Maßnahme aufgewertet – auch um ihr einen Anstrich der Legitimation zu geben. Hass funktioniert wie ein Verbrüderungsritual gegen einen äußeren Feind. Und den symbolisiert der Gehasste in diesem Fall.

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